Vielleicht kennst du das:
Du wachst morgens auf – und noch bevor du richtig wach bist, beginnt das Gedankenkarussell. Was alles ansteht. Was du nicht vergessen darfst. Was schiefgehen könnte. Was du gestern nicht gut gemacht hast.
Und irgendwann fragst du dich:
Warum kann ich nicht einfach mal entspannen?
Und vielleicht auch:
Eigentlich müsste ich doch wissen, wie das geht und was sinnvoll ist.
Tipps, Ratschläge und Anleitungen sind überall verfügbar. Wenn wir ein Problem haben, googeln wir es. Und mit genug Wissen, Tipps und Disziplin müsste man sich doch irgendwie „in den Griff bekommen“.
Doch was, wenn das Problem gar nicht mangelndes Wissen ist?
Und was, wenn unser Gehirn nicht nach Ratschlägen, Tipps und Tricks funktioniert?
„Warum bin ich so angespannt?“ – Zwei Beispiele
Tim, 31 Jahre alt, sagte einmal zu mir:
„Es wäre so schön, wenn es einfach mal leicht wäre. Aber ständig läuft etwas nicht nach Plan und ich bin innerlich so unruhig.“
Marie, 53 Jahre alt, erzählte:
„Ich sehe immer nur das, was ich nicht gut mache. Und davon gibt es so viel.“
Beide hatten das Gefühl, mit ihnen stimme etwas nicht.
Beide fragten sich:
- Warum habe ich so viele negative Gedanken?
- Warum kann ich nicht abschalten?
- Warum bin ich immer so streng mit mir?
Dein Gehirn will dich beschützen – auch wenn es sich nicht so anfühlt
Unser Gehirn besteht aus verschiedenen Teilen. Ein großer Teil davon ist uralt. Er stammt aus einer Zeit, in der es wirklich ums Überleben ging. Seine wichtigste Frage lautet:
„Bin ich in Gefahr?“
Diese Frage wird nicht logisch gestellt, sondern automatisch. Und oft beantwortet dein Gehirn sie mit „Ja“, obwohl objektiv keine echte Bedrohung besteht – zum Beispiel bei:
- einer beruflichen E-Mail
- einem Fehler
- einer kritischen Bemerkung
- zu spät kommen
- Erwartungen anderer
Dann startet die Stressreaktion:
Dein Nervensystem fährt hoch, dein Körper spannt sich an, deine Gedanken werden enger – und du wirst unruhig.
Nicht, weil du übertreibst, sondern weil dein Gehirn dich schützen will.
Warum sich alles so real anfühlt
Wenn dein Nervensystem Alarm schlägt, fühlt sich alles ernst, bedrohlich und absolut wahr an. Doch mit etwas Abstand betrachtet, ist vieles gar nicht so gefährlich:
- Die E-Mail war nur eine Information.
- Das Kind bekommt nicht automatisch eine schlechte Note.
- Niemand meidet dich, wenn du zu spät kommst.
Und trotzdem war dein Körper im Stress.
Oft ist uns das gar nicht bewusst – und wir fragen uns stattdessen:
👉 Warum bin ich ständig angespannt?
👉 Warum kann ich nicht gelassener sein?
Ein hilfreiches Bild
Ich habe einmal diesen Satz gelesen:
„Wir sollten das Gehirn als fürsorglichen Mitbewohner betrachten. Er tut sein Bestes – aber manchmal steckt er auch die Küche in Brand.“
Ich finde dieses Bild unglaublich hilfreich. Denn es zeigt:
Dein Gehirn ist nicht dein Feind.
Aber seine Lösungen sind nicht immer sinnvoll.
Wenn du beginnst, dein Gehirn so zu sehen, kannst du Abstand gewinnen – zu deinen Gedanken, zu deiner inneren Unruhe, zu deinem Stress.
Du musst nicht alles glauben, was du denkst
Viele Menschen halten ihre Gedanken für Tatsachen:
- „Ich mache alles falsch.“
- „Ich bin nicht genug.“
- „Ich müsste anders sein.“
Doch Gedanken sind keine Fakten.
Sie sind Angebote deines Gehirns, das sein Bestes tut.
Und du darfst lernen, sie zu beobachten, ohne dich sofort in ihnen zu verlieren.
Mit Achtsamkeit lernst du, sie wahrzunehmen.
Mit Selbstmitgefühl lernst du, freundlich mit dir zu sein, während sie da sind.
Nicht perfekt.
Nicht immer ruhig.
Aber menschlich.
Warum Selbstkritik alles schwerer macht
Viele glauben, Selbstkritik sei motivierend. Doch sie bewirkt meist das Gegenteil.
Ständige Selbstkritik verstärkt:
- Stress
- Grübeln
- innere Unruhe
- emotionale Erschöpfung
- depressive Gedanken
Und sie nimmt dir genau das, was du in schwierigen Momenten bräuchtest:
Verständnis. Freundlichkeit. Halt.
Was Tim und Marie gelernt haben
Tim sagte nach einem Kurs:
„Ich kann heute Situationen eher annehmen, wie sie sind. Ich bin nicht mehr so hart zu mir – und das macht alles leichter.“
Marie erzählte:
„Ich sehe jetzt auch die kleinen schönen Dinge. Der innere Kritiker ist noch da, aber nicht mehr so laut.“
Nicht, weil ihr Leben plötzlich perfekt ist.
Sondern weil sie gelernt haben, anders mit sich umzugehen.
Vielleicht wünschst du dir das auch
Mehr Ruhe.
Mehr Leichtigkeit.
Weniger innere Anspannung.
Mehr Freundlichkeit mit dir selbst.
Nicht als Technik.
Nicht als Optimierungsprojekt.
Sondern als neue Haltung dir selbst gegenüber.
Einladung
Wenn dich diese Gedanken ansprechen, könnte ein Training in Achtsamkeit und Selbstmitgefühl für dich hilfreich sein.
Ich arbeite unter anderem mit dem Ansatz Mindful Self-Compassion (MSC), entwickelt von Dr. Kristin Neff und Dr. Christopher Germer. Er verbindet Achtsamkeit mit Selbstfreundlichkeit und hilft dabei, aus dem inneren Alarmmodus auszusteigen.
Ich biete Kurse in Heidelberg und online an.
Wenn du neugierig bist, findest du hier mehr Informationen:
👉 Mindful Self Compassion - Kurs
👉 achtsames Selbstmitgefühl
Und wenn du unsicher bist, was für dich passt, melde dich gern bei mir.
