6 wirksame MBSR-Übungen für weniger Stress und mehr Achtsamkeit
Üblicherweise reagierst du, reagieren wir alle, in Stress automatisch. Wenn eine E-mail von einem bestimmten, unangenehmen Absender reinkommt, spannst du schon deinen Kiefer an. Oder wenn das Kind wieder trödelt, obwohl du es eilig hast, geht dein Puls nach oben. Oder wenn dein Chef mit einer bestimmten Miene auf dich zukommt, erwartest du eine Kritik und fängst an zu schwitzen.
Leider sind die in Millisekunden eintretenden automatischen Reaktionen nicht immer die beste Art zu handeln. Ein angespannter Kiefer, ein hoher Puls oder starkes Schwitzen ziehen oft direkt die nächste Stressreaktion nach sich – zum Beispiel eine schmerzende Schulter, ein hoher Blutdruck oder eine verbale Attacke von deiner Seite. Darauf reagiert dann wieder dein Gegenüber und so schaukelt sich die Situation hoch.
Vielleicht kommt dir das eine oder andere bekannt vor?
Genau hier setzen MBSR-Übungen an. Sie helfen Dir nicht dabei, plötzlich ein stressfreies Leben zu führen. Aber sie können Dir zeigen, wie Du mitten im Alltag wieder Luft bekommst, Deine Grenzen besser wahrnimmst und mit Druck bewusster umgehst, statt nur noch zu reagieren.
Aus meinen Erfahrungen als MBSR Lehrerin erfährst Du in diesem Artikel, welche MBSR-Übungen besonders hilfreich sind, wie sie funktionieren und wie Du sie einfach in Deinen Alltag integrieren kannst.
Das Wichtigste in Kürze zu MBSR Übungen und Stress
- Die Wirksamkeit von MBSR-Übungen sind zahlreich wissenschaftlich nachgewiesen.
- Es geht bei den Übungen v.a. um deine innere Haltung und Wachheit.
- Es gibt formelle Übungen wie der Bodyscan oder achtsames Yoga, in denen du dir bewusst Zeit nimmst, um zu üben.
- Nicht-formelle Übungen werden in deine alltäglichen Tätigkeiten integriert, wie z.B. achtsames Essen.
- MBSR-Übungen sind wie ein Geistestraining: Statt automatisch wie immer zu handeln, reagierst du reflektiert und bewusst. Das macht sie so wirksam.
- Es gibt viele Unsicherheiten, wie man üben soll. Das ist völlig normal und kann geklärt werden.
- MBSR-Training kann überall angewendet werden: in Ruhe zu Hause und auch im Arbeitsalltag.
- Ein MBSR Kurs ist sinnvoll, wenn du strukturiert und angeleitet üben und von dem Austausch mit einem MBSR Lehrenden und der Gruppe profitieren möchtest.
Was sind MBSR-Übungen?
Von Bodyscan bis Yoga: Die wichtigsten formellen MBSR-Übungen im Überblick
Formelle Übungen werden in einer meditativen Art mit Anleitung ausgeführt, d. h. wir konzentrieren uns mit der achtsamen Haltung, die ich gerade oben beschrieben habe, auf die Anleitung. Hier ist es sehr hilfreich eine Zeit und Ort auszuwählen, in der du die Übungen ungestört nur für dich machen kannst.
Für die meisten sind diese Übungen zu Beginn einfacher, da wir uns während dieser Zeit ganz darauf konzentrieren können. Der Haken ist aber auch, dass sie Zeit brauchen. So ca. 20 bis 45 min kann eine Übung dauern. Aber diese Zeit brauche nicht nur ich, sondern viele andere Meditationserfahrene, um mich wirklich auf die Übung einzulassen und anzukommen. Mir hilft es, die Übung als Geistestraining und Zeit für mich anzusehen, dann kann ich mich gut darauf einlassen.
Nachfolgend stelle ich dir die Übungen genau vor.
Was ist der Bodyscan?
Gerade wenn Du viel Verantwortung trägst, spielt sich Dein Alltag oft vor allem im Kopf ab. Der Bodyscan hilft Dir dabei, aus diesem Dauer-Denken auszusteigen und wieder mehr Kontakt zu Deinem Körper zu bekommen. Das kann erstaunlich wohltuend sein, weil Du oft erst durch diese Übung merkst, wie angespannt, müde oder innerlich aufgedreht Du eigentlich bist. Der Bodyscan schafft also nicht nur Ruhe, sondern vor allem Bewusstheit. Und genau daraus kann sich mit der Zeit ein anderer Umgang mit Stress entwickeln.
Beim Bodyscan lenkst du deine Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch Deinen Körper, meist von den Füßen bis zum Kopf oder umgekehrt. Du beobachtest dabei ganz bewusst, was gerade da ist: Wärme, Spannung, Kribbeln, Unruhe, Schwere oder auch einfach erst einmal gar nichts. Genau das ist der Punkt. Es geht nicht darum, etwas Bestimmtes zu spüren oder sofort zu entspannen, sondern darum, Deinen Körper wieder bewusster wahrzunehmen.
Was ist eine Atemmeditation?
Das klingt schlicht, ist im Alltag aber oft überraschend ungewohnt. Denn: Wann achtest du schon wirklich auf deinen Atem? Viele Menschen merken erst in der Übung, wie schnell sie innerlich unterwegs sind. Gedanken springen weiter zur To-do-Liste, zu einem Gespräch von gestern oder schon zum nächsten Termin. In der Atemmeditation geht es nicht darum, den Kopf leer zu bekommen. Es reicht völlig, wenn Du bemerkst, dass Du abgeschweift bist, und dann mit Deiner Aufmerksamkeit wieder freundlich zum Atem zurückkehrst.
Vielleicht fragst du dich nun, wie die Atemmeditation genau funktioniert. Probier es zum Start gerne so:
Egal wo du gerade bist oder ob du gerade stehst, sitzt oder liegst: Richte deine Aufmerksamkeit auf den Atem. Nimm ganz bewusst wahr, wie der Atem einströmt und ausströmt. Vielleicht kannst du spüren wie Luft einströmt durch die Nasenlöcher oder durch den Rachen fließt oder wie sich Brust und Bauch heben beim einatmen und wie ausatmend Bauch und Brust wieder sinken und die Luft entweicht. Und wenn du in Gedanken abschweifst ist das völlig in Ordnung. Dann ist es die Übung, das wahrzunehmen und mit der Aufmerksamkeit zurück zum Atem zu kommen. Es gibt nichts anderes zu tun oder etwas an deinem Atem zu verändern. Die Übung ist, das Ein- und Ausatmen ganz bewusst wahrzunehmen, immer wieder forschend und neugierig den Atem zu erkunden.
Gerade in stressigen Phasen kann die Atemmeditation ein guter Anker sein. Sie hilft Dir, kurz innezuhalten, statt direkt im Autopilot weiterzulaufen. Schon wenige Minuten können reichen, um wieder mehr bei Dir selbst anzukommen. Atemmeditationen wirken beruhigend und regeneriernd. Das macht diese Übung besonders wertvoll für Menschen, die viel leisten, viel entscheiden und im Alltag oft wenig echte Pausen haben.
Probiere doch mal eine 5 min Atemmeditation gleich aus
Was ist achtsames Yoga?
Gerade wenn Du im Alltag viel funktionierst, kann achtsames Yoga helfen, wieder aus dem Kopf in den Körper zu kommen. Du übst, Bewegungen langsamer und aufmerksamer auszuführen, den Atem mitzunehmen und Signale Deines Körpers früher wahrzunehmen. Das macht achtsames Yoga nicht nur entspannend, sondern auch alltagstauglich: Du lernst, weniger über Deine Grenzen zu gehen und feiner zu merken, was Du gerade brauchst, auch am Schreibtisch, in der Familie oder anderen alltäglichen Situationen.
Informelle MBSR-Übungen im Alltag
Nachfolgend stelle ich dir 3 informelle MBSR-Übungen vor.
Was ist achtsames Essen und Trinken?
Gerade für Menschen im Dauerstress ist das spannend, weil Essen oft nebenher passiert. Zwischen Terminen, am Schreibtisch oder unterwegs geht leicht verloren, was der Körper eigentlich braucht. Achtsames Essen unterbricht diesen Automatismus. Du wirst langsamer, präsenter und bemerkst oft früher, wann Du wirklich satt bist oder wie sehr Anspannung Dein Essverhalten beeinflusst. Genau deshalb ist diese Übung so wertvoll: Sie verbindet Achtsamkeit nicht mit zusätzlichem Aufwand, sondern mit einer Alltagssituation, die ohnehin da ist.
Was sind achtsame alltägliche Tätigkeiten?
Der große Vorteil solcher Übungen: Sie brauchen keine Extra-Zeit. Du integrierst Achtsamkeit direkt in Abläufe, die ohnehin zu Deinem Tag gehören. Gerade wenn Dein Alltag eng getaktet ist, kann das ein realistischer Einstieg sein. Statt noch einen Punkt auf Deine Liste zu setzen, veränderst Du die Art, wie Du einen bestehenden Moment erlebst. So wird aus einer gewöhnlichen Handlung eine kleine Pause für Dein Nervensystem — und aus Achtsamkeit etwas, das nicht zusätzlich belastet, sondern entlastet.
Was ist achtsames Gehen?
Dafür lenkst du die Aufmerksamkeit in deine Füße. Spüre die Fußsohlen und den Kontakt zum Boden, vielleicht über die Schuhe. Nimm mal ganz bewusst den Boden unter dir wahr, wie fühlt er sich an? Vielleicht hart oder eher weich? Und achte mal darauf, wie du gehst. Wie verlagert sich dein Gewicht, wann stehst du auf dem einen Bein, wann auf dem anderen? Wie ist es, nur auf einem Bein zu stehen und dann wieder auf beiden?
Achtsames Gehen hilft uns direkt, die Aufmerksamkeit vom Kopf weg zu den Füßen zu richten. Viele empfinden das als sehr wirksam, um aus den Gedanken rauszukommen. Auch der Kontakt zum Boden, die Verankerung mit dem Boden, wirkt beruhigend und sprichwörtlich erdend. Probier es doch mal gleich aus auf dem Weg in die Kaffeeküche.
Warum sind MBSR-Übungen so wirksam?
Vielmehr geht es um deine innere Haltung, mit der du dich der Übung zuwendest. Grundlegend ist die achtsame Haltung, d. h. daß du dich neugierig, offen und nicht wertend der Übung zuwendest und im gegenwärtigen Moment bist. Du übst damit, bewusster wahrzunehmen und weniger kritisch zu sein. Diese Haltung hört sich erstmal einfach an, aber probier es mal aus. Meistens sind wir in Gedanken und oft auch sehr wertend. Wirklich offen, neugierig und nicht wertend zu sein ist immer wieder eine Übung für sich 😊
Das macht jedoch das MBSR-Training so wirksam: Zunehmend bist du in der Lage, erstmal innezuhalten, wenn du in Stress gerätst. Und dich dann bewusst zu entscheiden, wie du reagieren möchtest statt automatisch zu reagieren. Also nicht direkt den Kiefer anspannen und die nächste Katastrophe vorhersehen, das Kind anschreien oder die Kritik des Chefs runterschlucken. Sondern erst mal neugierig und offen sein für die Mail oder die Kritik des Chefs, ggf. abwägen, was davon auf dich persönlich zutrifft und dann sachlich und unaufgeregt reagieren. Oder erstmal Interesse zeigen an dem, woran das Kind gerade Freude hat und dann freundlich und klar mitteilen, dass du pünktlich beim Arzt sein möchtest. Und dann reagieren Chef, Kollege oder das Kind auch ganz anders.
Das befreit uns aus unseren gewohnten Mustern. Mit der Zeit gelingt es immer besser, erst innezuhalten, zu spüren, was wirklich los ist, worum es geht, ob eine Grenze von dir überschritten ist und wie du bewusst reagieren möchtest. Fachleute nennen das auch Impulskontrolle oder Impulsdistanz.
Das häufigste Missverständnis bei den MBSR-Übungen
Die häufigsten Missverständnisse sind, daß Teilnehmende meinen, man soll keine Gedanken beim Meditieren haben. Oder man soll in eine Art Trance verfallen oder es soll alles ganz leicht und angenehm sein. Das ist nicht Ziel der Übungen.
Meditieren kann angenehm und beruhigend wirken. Es kann aber auch unangenehm sein, wenn man selber unangenehme Gedanken oder Gefühle hat. Und dann in der forschenden, nicht wertenden, akzeptierenden und freundlichen Haltung zu verbleiben ist herausfordernd. In vielen Meditationen sind bei mir Tränen geflossen, weil ich mal das Unangenehme zugelassen habe. Das Dranbleiben lohnt sich, denn mit der Zeit lernst du mit allen Gefühlen und Gedanken umzugehen. Nicht nur mit angenehmen, sondern eben auch mit unangenehmen, herausfordernden Gedanken und Gefühlen. Und das ist so was von hilfreich.
Was sind typische Schwierigkeiten bei MBSR-Übungen?
1. „Ich kann meine Gedanken nicht abschalten“
2. „Ich werde nicht sofort ruhiger“
3. „Ich habe keine Zeit“
4. „Ich schlafe direkt ein beim Bodyscan“
5. „Ich hätte gerne, dass die Übung genauso gut funktioniert, wie neulich“
Wie kann ich MBSR-Übungen im Alltag und im Beruf anwenden?
1. Beispiele für den Arbeitsalltag
Oder wenn du zum nächsten Termin gehst, mal statt zu hetzen und mit dem Kopf schon im Meeting zu sein, ganz bewusst gehen, den Teppich wahrnehmen, das Licht, die Bilder an der Wand wirklich sehen.
Wusstest du, dass manche Abteilungen schon eine Minute Innehalten zu Beginn eines Meetings eingeführt haben und damit eine deutlich bessere Gesprächskultur erleben?
2. Anwendungen der MBSR-Übungen zu Hause
Oder du könntest den ersten Kaffee oder Tee mal ganz bewusst mit allen Sinnen genießen. Wie fühlt sich der warme Becher an? Wie riecht der Kaffee? Wie fühlt er sich im Mund an und was löst das warme Getränk in deinem Körper aus? Es muss ja nicht die ganze Zeit so sein, die ersten 3 Schlucke könntest du ja mal so ausprobieren.
Wann ist ein MBSR-Kurs sinnvoll?
Fazit – mit MBSR-Übungen stressfreier und gelassener leben
Wie wäre es, gleich jetzt schon mal wahrzunehmen, wie du gerade sitzt? Ist in deinem Körper eine Region angespannt? Welche Gedanken kreisen gerade in deinem Kopf? Und dich dann für ein paar Atemzüge auf das Ein- und Ausströmen deines Atems konzentrieren – nicht mehr und nicht weniger.
Wenn du mehr zu MBSR Übungen und MBSR Kurs wissen möchtest, melde dich gerne bei mir.

