6 wirksame MBSR-Übungen für weniger Stress und mehr Achtsamkeit (inkl. Audio)
Üblicherweise reagierst du, reagieren wir alle, in Stress automatisch. Wenn eine E-mail von einem bestimmten, unangenehmen Absender reinkommt, spannst du schon deinen Kiefer an. Oder wenn das Kind wieder trödelt, obwohl du es eilig hast, geht dein Puls nach oben. Oder wenn dein Chef mit einer bestimmten Miene auf dich zukommt, erwartest du eine Kritik und fängst an zu schwitzen.
Leider sind die in Millisekunden eintretenden automatischen Reaktionen nicht immer die beste Art zu handeln. Ein angespannter Kiefer, ein hoher Puls oder starkes Schwitzen ziehen oft direkt die nächste Stressreaktion nach sich – zum Beispiel eine schmerzende Schulter, ein hoher Blutdruck oder eine verbale Attacke von deiner Seite. Darauf reagiert dann wieder dein Gegenüber und so schaukelt sich die Situation hoch.
Vielleicht kommt dir das eine oder andere bekannt vor?
Genau hier setzen MBSR-Übungen an. Sie helfen Dir nicht dabei, plötzlich ein stressfreies Leben zu führen. Aber sie können Dir zeigen, wie Du mitten im Alltag wieder Luft bekommst, Deine Grenzen besser wahrnimmst und mit Druck bewusster umgehst, statt nur noch zu reagieren.
Aus meinen Erfahrungen als MBSR Lehrerin erfährst Du in diesem Artikel, welche MBSR-Übungen besonders hilfreich sind, wie sie funktionieren und wie Du sie einfach in Deinen Alltag integrieren kannst.
Das Wichtigste in Kürze zu MBSR - Übungen und Stress
- Die Wirksamkeit von MBSR-Übungen sind zahlreich wissenschaftlich nachgewiesen.
- Es geht bei den Übungen v.a. um deine innere Haltung und Wachheit.
- Es gibt formelle Übungen wie der Bodyscan oder achtsames Yoga, in denen du dir bewusst Zeit nimmst, um zu üben.
- Nicht-formelle Übungen werden in deine alltäglichen Tätigkeiten integriert, wie z.B. achtsames Essen.
- MBSR-Übungen sind wie ein Geistestraining: Statt automatisch wie immer zu handeln, reagierst du reflektiert und bewusst. Das macht sie so wirksam.
- Es gibt viele Unsicherheiten, wie man üben soll. Das ist völlig normal und kann geklärt werden.
- MBSR-Training kann überall angewendet werden: in Ruhe zu Hause und auch im Arbeitsalltag.
- Ein MBSR Kurs ist sinnvoll, wenn du strukturiert und angeleitet üben und von dem Austausch mit einem MBSR Lehrenden und der Gruppe profitieren möchtest.
Was sind MBSR-Übungen?
MBSR steht für Mindfulness-Based Stress Reduction, zu Deutsch achtsamkeitsbasierte Stressreduktion. Im Grundsatz geht es in dem wissenschaftlich fundierten Programm darum, Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen offen und neugierig wahrzunehmen, sie zu erkunden und zu akzeptieren und damit ganz bewusst im Moment zu sein. Die Übungen dienen als Training, um diese Haltung zu festigen. So wie du einen Muskel trainieren kannst, damit er stark, geschmeidig und flexibel bleibt, kannst du auch deinen Geist trainieren.
Von Bodyscan bis Yoga: Die wichtigsten formellen MBSR-Übungen im Überblick
Bei all den MBSR-Übungen geht es nicht darum, sie besonders gut zu machen oder eine besondere körperliche Haltung (der Lotussitz) einzuhalten, sondern um das Üben der inneren Haltung, die ich oben beschrieben habe: also offen, neugierig, nicht wertend, akzeptierend.
Formelle Übungen werden in einer meditativen Art mit Anleitung ausgeführt, d. h. wir konzentrieren uns mit der achtsamen Haltung, die ich gerade oben beschrieben habe, auf die Anleitung. Hier ist es sehr hilfreich eine Zeit und Ort auszuwählen, in der du die Übungen ungestört nur für dich machen kannst.
Für die meisten sind diese Übungen zu Beginn einfacher, da wir uns während dieser Zeit ganz darauf konzentrieren können. Der Haken ist aber auch, dass sie Zeit brauchen. So ca. 20 bis 45 min kann eine Übung dauern. Aber diese Zeit brauche nicht nur ich, sondern viele andere Meditationserfahrene, um mich wirklich auf die Übung einzulassen und anzukommen. Mir hilft es, die Übung als Geistestraining und Zeit für mich anzusehen, dann kann ich mich gut darauf einlassen.
Nachfolgend stelle ich dir die Übungen genau vor.
Es gibt grundsätzlich nicht darum, etwas besonders gut zu machen, sondern darum, wahrzunehmen und sein zu lassen - ohne dass du etwas dafür tun musst.
Was ist der Bodyscan?
Der Bodyscan ist eine der bekanntesten MBSR-Übungen und oft der Einstieg in die Achtsamkeitspraxis.
Gerade wenn Du viel Verantwortung trägst, spielt sich Dein Alltag oft vor allem im Kopf ab. Der Bodyscan hilft Dir dabei, aus diesem Dauer-Denken auszusteigen und wieder mehr Kontakt zu Deinem Körper zu bekommen. Das kann erstaunlich wohltuend sein, weil Du oft erst durch diese Übung merkst, wie angespannt, müde oder innerlich aufgedreht Du eigentlich bist. Der Bodyscan schafft also nicht nur Ruhe, sondern vor allem Bewusstheit. Und genau daraus kann sich mit der Zeit ein anderer Umgang mit Stress entwickeln.
Beim Bodyscan lenkst du deine Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch Deinen Körper, meist von den Füßen bis zum Kopf oder umgekehrt. Du beobachtest dabei ganz bewusst, was gerade da ist: Wärme, Spannung, Kribbeln, Unruhe, Schwere oder auch einfach erst einmal gar nichts. Genau das ist der Punkt. Es geht nicht darum, etwas Bestimmtes zu spüren oder sofort zu entspannen, sondern darum, Deinen Körper wieder bewusster wahrzunehmen.
Was ist eine Atemmeditation?
Die Atemmeditation gehört zu den einfachsten und gleichzeitig wirkungsvollsten MBSR-Übungen. Dein Atem ist immer da, Du musst nichts vorbereiten und brauchst kein besonderes Setting. Genau deshalb ist diese Übung so alltagstauglich. In der Atemmeditation richtest Du Deine Aufmerksamkeit bewusst auf das Ein- und Ausatmen und beobachtest, wie sich Dein Atem gerade anfühlt, ohne ihn zu steuern oder zu bewerten.
Das klingt schlicht, ist im Alltag aber oft überraschend ungewohnt. Denn: Wann achtest du schon wirklich auf deinen Atem? Viele Menschen merken erst in der Übung, wie schnell sie innerlich unterwegs sind. Gedanken springen weiter zur To-do-Liste, zu einem Gespräch von gestern oder schon zum nächsten Termin. In der Atemmeditation geht es nicht darum, den Kopf leer zu bekommen. Es reicht völlig, wenn Du bemerkst, dass Du abgeschweift bist, und dann mit Deiner Aufmerksamkeit wieder freundlich zum Atem zurückkehrst.
Vielleicht fragst du dich nun, wie die Atemmeditation genau funktioniert. Probier es zum Start gerne so:
Egal wo du gerade bist oder ob du gerade stehst, sitzt oder liegst: Richte deine Aufmerksamkeit auf den Atem. Nimm ganz bewusst wahr, wie der Atem einströmt und ausströmt. Vielleicht kannst du spüren wie Luft einströmt durch die Nasenlöcher oder durch den Rachen fließt oder wie sich Brust und Bauch heben beim einatmen und wie ausatmend Bauch und Brust wieder sinken und die Luft entweicht. Und wenn du in Gedanken abschweifst ist das völlig in Ordnung. Dann ist es die Übung, das wahrzunehmen und mit der Aufmerksamkeit zurück zum Atem zu kommen. Es gibt nichts anderes zu tun oder etwas an deinem Atem zu verändern. Die Übung ist, das Ein- und Ausatmen ganz bewusst wahrzunehmen, immer wieder forschend und neugierig den Atem zu erkunden.
Audio
Gerade in stressigen Phasen kann die Atemmeditation ein guter Anker sein. Sie hilft Dir, kurz innezuhalten, statt direkt im Autopilot weiterzulaufen. Schon wenige Minuten können reichen, um wieder mehr bei Dir selbst anzukommen. Atemmeditationen wirken beruhigend und regeneriernd. Das macht diese Übung besonders wertvoll für Menschen, die viel leisten, viel entscheiden und im Alltag oft wenig echte Pausen haben.
Geführte 6 min Atemmeditation als Audio
Was ist achtsames Yoga?
Achtsames Yoga ist eine bewegte Form der MBSR-Übungen. Anders als in vielen klassischen Yogastunden geht es hier nicht um Leistung, Dehnungstiefe oder perfekte Haltungen. Im Mittelpunkt steht, dass Du während der Bewegung bewusst spürst, was in Deinem Körper passiert: Wie fühlt sich eine Haltung an? Wo ist Spannung, wo Leichtigkeit, wo vielleicht eine klare Grenze?
Gerade wenn Du im Alltag viel funktionierst, kann achtsames Yoga helfen, wieder aus dem Kopf in den Körper zu kommen. Du übst, Bewegungen langsamer und aufmerksamer auszuführen, den Atem mitzunehmen und Signale Deines Körpers früher wahrzunehmen. Das macht achtsames Yoga nicht nur entspannend, sondern auch alltagstauglich: Du lernst, weniger über Deine Grenzen zu gehen und feiner zu merken, was Du gerade brauchst, auch am Schreibtisch, in der Familie oder anderen alltäglichen Situationen.
Informelle MBSR-Übungen im Alltag
Daneben gibt es die informellen Übungen, wie achtsames Essen oder gewöhnliche Tätigkeiten wie Zähne putzen, Essen vorbereiten, gehen u. v. m., die wir in der achtsamen Haltung ausprobieren. Sie dienen dazu, dass du direkt im alltäglichen Tun die achtsame Haltung übst und bei dir selbst ankommst. Da sind wir dann dem Alltag mit all den Ablenkungen und Störungen ausgesetzt und es ist oft gar nicht so einfach, sich darauf zu konzentrieren. Vorteil ist, daß du weniger Zeit einplanen, sondern direkt im Alltag ausprobieren kannst. Nachfolgend stelle ich dir 3 Anregungen vor.
Was ist achtsames Essen und Trinken?
Achtsames Essen zeigt sehr direkt, wie MBSR-Übungen in den Alltag hineinwirken können. Statt nebenbei zu essen, schnell etwas herunterzuschlucken oder gedanklich schon beim nächsten Punkt auf Deiner Liste zu sein, richtest Du Deine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf den Moment. Du nimmst wahr, wie das Essen aussieht, riecht, schmeckt und sich im Mund anfühlt. Auch Hunger, Sättigung und innere Reaktionen werden dabei klarer spürbar.
Gerade für Menschen im Dauerstress ist das spannend, weil Essen oft nebenher passiert. Zwischen Terminen, am Schreibtisch oder unterwegs geht leicht verloren, was der Körper eigentlich braucht. Achtsames Essen unterbricht diesen Automatismus. Du wirst langsamer, präsenter und bemerkst oft früher, wann Du wirklich satt bist oder wie sehr Anspannung Dein Essverhalten beeinflusst. Genau deshalb ist diese Übung so wertvoll: Sie verbindet Achtsamkeit nicht mit zusätzlichem Aufwand, sondern mit einer Alltagssituation, die ohnehin da ist.
Was sind achtsame alltägliche Tätigkeiten?
Nicht alle MBSR-Übungen finden im Sitzen oder in der Stille statt. Gerade im Alltag steckt viel Potenzial in ganz normalen Routinen. Achtsames Händewaschen, Zähneputzen oder Kochen bedeutet, dass Du eine vertraute Tätigkeit einmal nicht nebenbei machst, sondern mit voller Aufmerksamkeit. Du nimmst beim Händewaschen die Temperatur des Wassers und die Konsistenz der Seife wahr, achtest beim Zähneputzen auf die Bewegungen Deiner Hand oder bemerkst beim Kochen Gerüche, Farben und Handgriffe ganz bewusst.
Der große Vorteil solcher Übungen: Sie brauchen keine Extra-Zeit. Du integrierst Achtsamkeit direkt in Abläufe, die ohnehin zu Deinem Tag gehören. Gerade wenn Dein Alltag eng getaktet ist, kann das ein realistischer Einstieg sein. Statt noch einen Punkt auf Deine Liste zu setzen, veränderst Du die Art, wie Du einen bestehenden Moment erlebst. So wird aus einer gewöhnlichen Handlung eine kleine Pause für Dein Nervensystem — und aus Achtsamkeit etwas, das nicht zusätzlich belastet, sondern entlastet.
Was ist achtsames Gehen?
Wir gehen alle immer wieder und sei es auf dem Weg zur Straßenbahn, zu Hause zum Bad oder auf dem Flur zum nächsten Meeting. Und das machst du routinemäßig nebenher, unser Körper weiß, wie es geht. Meist bist du dabei in Gedanken beim nächsten To-do, in Sorge darum, wie das Meeting ablaufen wird oder das du vergessen hast, zu Hause die Spülmaschine anzustellen. Wie wäre es, stattdessen mal bewusst bei dem zu sein, was du gerade tust, nämlich gehen?
Dafür lenkst du die Aufmerksamkeit in deine Füße. Spüre die Fußsohlen und den Kontakt zum Boden, vielleicht über die Schuhe. Nimm mal ganz bewusst den Boden unter dir wahr, wie fühlt er sich an? Vielleicht hart oder eher weich? Und achte mal darauf, wie du gehst. Wie verlagert sich dein Gewicht, wann stehst du auf dem einen Bein, wann auf dem anderen? Wie ist es, nur auf einem Bein zu stehen und dann wieder auf beiden?
Achtsames Gehen hilft uns direkt, die Aufmerksamkeit vom Kopf weg zu den Füßen zu richten. Viele empfinden das als sehr wirksam, um aus den Gedanken rauszukommen. Auch der Kontakt zum Boden, die Verankerung mit dem Boden, wirkt beruhigend und sprichwörtlich erdend. Probier es doch mal gleich aus auf dem Weg in die Kaffeeküche.
Warum sind MBSR-Übungen so wirksam?
Das Besondere an den MBSR-Übungen ist die Art und Weise, wie wir sie machen. Es geht nicht um ein Abhaken der Übung und darum, etwas geschafft zu haben.
Vielmehr geht es um deine innere Haltung, mit der du dich der Übung zuwendest. Grundlegend ist die achtsame Haltung, d. h. daß du dich neugierig, offen und nicht wertend der Übung zuwendest und im gegenwärtigen Moment bist. Du übst damit, bewusster wahrzunehmen und weniger kritisch zu sein. Diese Haltung hört sich erstmal einfach an, aber probier es mal aus. Meistens sind wir in Gedanken und oft auch sehr wertend. Wirklich offen, neugierig und nicht wertend zu sein ist immer wieder eine Übung für sich 😊
Das macht jedoch das MBSR-Training so wirksam: Zunehmend bist du in der Lage, erstmal innezuhalten, wenn du in Stress gerätst. Und dich dann bewusst zu entscheiden, wie du reagieren möchtest statt automatisch zu reagieren. Also nicht direkt den Kiefer anspannen und die nächste Katastrophe vorhersehen, das Kind anschreien oder die Kritik des Chefs runterschlucken. Sondern erst mal neugierig und offen sein für die Mail oder die Kritik des Chefs, ggf. abwägen, was davon auf dich persönlich zutrifft und dann sachlich und unaufgeregt reagieren. Oder erstmal Interesse zeigen an dem, woran das Kind gerade Freude hat und dann freundlich und klar mitteilen, dass du pünktlich beim Arzt sein möchtest. Und dann reagieren Chef, Kollege oder das Kind auch ganz anders.
Das befreit uns aus unseren gewohnten Mustern. Mit der Zeit gelingt es immer besser, erst innezuhalten, zu spüren, was wirklich los ist, worum es geht, ob eine Grenze von dir überschritten ist und wie du bewusst reagieren möchtest. Fachleute nennen das auch Impulskontrolle oder Impulsdistanz.
Das häufigste Missverständnis bei den MBSR-Übungen
Oft werde ich nach dem Ziel bei den MBSR Übungen gefragt. Da scheint es viele Missverständnisse oder Unsicherheiten zu geben. Ziel des MBSR Trainings ist, offen und neugierig, ohne zu werten zu forschen und alles und allem erlauben so zu sein, wie es gerade ist. Eben in der Haltung zu sein, die ich oben angesprochen habe. In diese Haltung zu finden ist nicht einfach, auch für Geübte ist es immer mal wieder eine Herausforderung.
Die häufigsten Missverständnisse sind, daß Teilnehmende meinen, man soll keine Gedanken beim Meditieren haben. Oder man soll in eine Art Trance verfallen oder es soll alles ganz leicht und angenehm sein. Das ist nicht Ziel der Übungen.
Meditieren kann angenehm und beruhigend wirken. Es kann aber auch unangenehm sein, wenn man selber unangenehme Gedanken oder Gefühle hat. Und dann in der forschenden, nicht wertenden, akzeptierenden und freundlichen Haltung zu verbleiben ist herausfordernd. In vielen Meditationen sind bei mir Tränen geflossen, weil ich mal das Unangenehme zugelassen habe. Das Dranbleiben lohnt sich, denn mit der Zeit lernst du mit allen Gefühlen und Gedanken umzugehen. Nicht nur mit angenehmen, sondern eben auch mit unangenehmen, herausfordernden Gedanken und Gefühlen. Und das ist so was von hilfreich.
Was sind typische Schwierigkeiten bei MBSR-Übungen?
Immer wieder gibt es auch Herausforderndes und Hindernisse bei den MBSR-Übungen. Ich habe dir hier ein paar aufgelistet. Gleich vorneweg möchte ich dir mitgeben, daß MBSR so ungewohnt und fremd für uns ist. Auch hier gilt: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“- Üben hilft. Und sei versichert: mit zunehmender Praxis werden die Schwierigkeiten geringer – so geht es dir und allen anderen Menschen, die MBSR ausprobieren.
„Ich kann meine Gedanken nicht abschalten“
Das höre ich sehr oft. Die allermeisten denken, daß man nicht denken sollte beim meditieren. Aber darum geht es gar nicht! Es ist völlig normal und in Ordnung, daß du viele Gedanken hast. So geht es uns allen. Vielmehr ist es die Übung, wahrzunehmen, daß du denkst und dich nicht darin zu verstricken. Und dann die Aufmerksamkeit wieder auf das zu richten, was du dir vorgenommen hast, z.B. Körper oder Atem. Genau das ist die Übung: Gedanken wahrnehmen und loslassen.
„Ich werde nicht sofort ruhiger“
Auch das ist völlig normal. Wenn wir den ganzen Tag sehr beschäftigt waren, brauchen unser Körper und Gehirn auch wieder Zeit zur Ruhe zu kommen. Deswegen ist es ja auch gut, sich dafür etwas Zeit zu nehmen.
„Ich habe keine Zeit“
Ja klar. Jeder von uns ist gut beschäftigt, langweilig ist uns nie. Es ist eher die Frage, wofür du dir Zeit nehmen möchtest. Muss wirklich jetzt noch die nächste E-Mail beantwortet werden oder die neuesten Nachrichten gecheckt werden? Wann ist mal Zeit für dich, für ein bewusstes Innehalten und für dich sorgen? Letztendlich geht es um die Frage, wie wichtig es ist, dass du andere Denk- und Verhaltensgewohnheiten trainierst, wie wichtig du dich selbst nimmst. Und: Kosten nicht unnötige Konflikte, Nackenschmerzen oder Sorgen auch Zeit, um da wieder rauszukommen? Wie wäre es, dem vorzubeugen?
„Ich schlafe direkt ein beim Bodyscan“
Auch das kommt häufig bei meinen MBSR-Teilnehmenden vor. Du legst dich hin, um den Bodyscan zu üben und du schläfst ein. Vielleicht ist dein Körper und Geist so trainiert, dass es immer ums Schlafen geht, sobald du dich hinlegst. Vielleicht ist es für dich schwierig, die Konzentration aufrecht zu erhalten. Vielleicht brauchst du auch einfach mehr Schlaf? Wir leben in einer chronisch übermüdeten Gesellschaft, das könnte also sein.
„Ich hätte gerne, dass die Übung genauso gut funktioniert, wie neulich“
Manchmal „gehen“ Übungen besser, vielleicht meinst du damit, dass du dann wach und konzentriert dabei sein konntest und es ein angenehmes Erlebnis war. Und dann „geht“ die nächste Übung nicht mehr so gut und du bist frustriert. Das höre ich oft in meinen MBSR Kursen in Heidelberg. Hier kann ich dich entlasten: Es geht nicht darum, dass die Übung ein bestimmtes Ziel erreicht. Es ist völlig ok, wenn du einfach immer wieder in Gedanken bist oder unruhig oder ungeduldig oder du gerade Schmerzen hast oder sonst wie abgelenkt bist. Auch wenn du Konzentration mit Meditieren trainieren kannst, ist es nicht immer so. Und das ist in Ordnung.
Wie kann ich MBSR-Übungen im Alltag und im Beruf anwenden?
Die MBSR Übungen lassen sich alle gut in den Alltag integrieren. Hier findest du ein paar Beispiele für den Arbeitsalltag und für zu Hause. Meine Empfehlung ist ganz klar: Lieber weniger vornehmen und ins Tun kommen als dir zu viel vornehmen und dann klappt es nicht. Schritt für Schritt die Übungen angehen, der erste Schritt ist oft der Schwierigste. Irgendwann merkst du die positiven Effekte und dann bleibst du gerne dran. In meinen Kursen erlebe ich das so immer wieder. Erst fühlen sich die Übungen nach einem To do mehr an, auf welches die Kursteilnehmenden sich einlassen, weil die Wirksamkeit ja wissenschaftlich nachgewiesen ist. Und dann nach zwei, drei, spätestens vier Wochen erleben sie “Wow unglaublich, das tut mir ja wirklich gut!” und dann bleiben sie gerne dran.
Beispiele für den Arbeitsalltag
Was einfach funktioniert, ist zum Beispiel eine Minute bewusst zu atmen, bevor du die nächste E-Mail öffnest. Das ist auch eine gute Gelegenheit kurz zu prüfen, wie du am Schreibtisch sitzt. Ist alles locker oder sind Kiefer oder Nacken angespannt? Wie wäre es dann mit einer kurzen Bewegung für den Nacken oder Rücken?
Oder wenn du zum nächsten Termin gehst, mal statt zu hetzen und mit dem Kopf schon im Meeting zu sein, ganz bewusst gehen, den Teppich wahrnehmen, das Licht, die Bilder an der Wand wirklich sehen.
Wusstest du, dass manche Abteilungen schon eine Minute Innehalten zu Beginn eines Meetings eingeführt haben und damit eine deutlich bessere Gesprächskultur erleben?
Anwendungen zu Hause
Vielleicht möchtest du meine Morgenroutine ausprobieren. Ich finde es super, wenn ich direkt vor dem Aufstehen, noch im Bett, mal kurz durch den Körper gehe und erkunde: „Wie geht es mir eigentlich?“
Oder du könntest den ersten Kaffee oder Tee mal ganz bewusst mit allen Sinnen genießen. Wie fühlt sich der warme Becher an? Wie riecht der Kaffee? Wie fühlt er sich im Mund an und was löst das warme Getränk in deinem Körper aus? Es muss ja nicht die ganze Zeit so sein, die ersten 3 Schlucke könntest du ja mal so ausprobieren.
Wann ist ein MBSR-Kurs sinnvoll?
Die Übungen sind tolle erste Gelegenheiten zum Ausprobieren. Vielen von uns hilft es jedoch, unter Anleitung ganz genau gesagt zu bekommen, was man in welcher Woche üben könnte. Dann ist ein MBSR Kurs für dich hilfreich. In dem Kurs bekommst du natürlich auch Hintergrundwissen, die Inhalte sind strukturiert aufeinander aufgebaut und es gibt viele Möglichkeiten zur Reflexion durch die Fragen des MBSR Lehrers. Auch bist du nicht alleine unterwegs, sondern in einer Gruppe. Den Austausch in der Gruppe erleben viele sehr wertvoll. In nur 8 Wochen wirst du unter Anleitung an die Themen herangeführt , das hilft beim Dranbleiben an den Übungen. Und das wirst du merken.
Fazit – mit MBSR-Übungen achtsamer und gelassener leben
MBSR-Übungen sind grundsätzlich nicht schwierig, es kommt v. a. darauf an, dass du dich einlassen möchtest. Schon kleine Impulse wie die Atemmeditation, ein kurzer Bodyscan oder ein paar Yogaübungen am Schreibtisch helfen, innezuhalten und bewusst mit einer Situation umzugehen.
Wie wäre es, gleich jetzt schon mal wahrzunehmen, wie du gerade sitzt? Ist in deinem Körper eine Region angespannt? Welche Gedanken kreisen gerade in deinem Kopf? Und dich dann für ein paar Atemzüge auf das Ein- und Ausströmen deines Atems konzentrieren – nicht mehr und nicht weniger.
Wenn du mehr zu MBSR Übungen und MBSR Kurs wissen möchtest, melde dich gerne bei mir.

Julie Shimizu
Als Coach & Trainerin für Stressbewältigung unterstützt sie Menschen und Unternehmen, die spüren: So wie bisher soll es nicht weitergehen – aber wie dann? Sie begleitet Menschen im Dauerstress dabei, Herausforderungen zu meistern, alte Muster loszulassen und neue Kraft zu schöpfen. Wie? Durch Achtsamkeit und Selbstmitgefühl! Ohne Esoterik und „du mußt noch“, sondern neurowissenschaftlich basiert, integriert in den Alltag und mit Menschlichkeit. Damit Du wieder beschwingt durchs Leben gehen kannst.
